HOMO DEUS – Der neue Mensch

Auf dem Weg zum neuen Mensch – dem Homo Deus. Durch künstliche Intelligenz, Quantentechnik und der allgemeinen technologischen Entwicklung, nimmt der Fortschritt undenkbare Geschwindigkeiten an. Auch bei der Eindämmung von Seuchen, Hungersnöten und Kriegen hat die Menschheit in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht.

Nehmen wir als Beispiel die Armut. Seit 1990 gibt es im Durchschnitt jeden Tag 130.000 Menschen weniger, die in Armut leben. Vor zwei Jahrhunderten lebten noch 90% der gesamten Weltbevölkerung in extremer Armut. Im Jahre 1950 waren es immer noch knapp 75%. Heute machen die in extremer Armut lebenden Menschen weniger als 10% der Weltbevölkerung aus.

Zum ersten Mal in der Geschichte sterben heute mehr Menschen daran, dass sie zu viel gegessen haben, als daran, dass sie zu wenig gegessen haben. Mehr Menschen sterben an Altersschwäche als an Infektionskrankheiten. Und mehr Menschen begehen Selbstmord als durch Soldaten, Terroristen und Kriminelle zusammen getötet werden.

Wenn frühere Propheten und Denker fest davon überzeugt waren, dass Krankheiten, Kriege und Hungersnöte zu Gottes kosmischem Plan gehören, weiß man heute, dass diese Ereignisse keine unbegreiflichen und unkontrollierbaren Naturgewalten sind. Wir erkennen, dass diese Probleme beherrschbar sind und mit einer gewissen Anstrengung vollständig ausgerottet werden können.

Doch wie geht es weiter, wenn wir alle Gefahren überwunden haben? Die Frage hat sich auch Yuval Noah Harari in seinem Bestseller „Homo Deus – Eine Geschichte von morgen“ gestellt. Harari glaubt, dass wir durch die Ausweitung von künstlicher Intelligenz (KI) auf dem Weg sind, „Glückseligkeit, Unsterblichkeit und Göttlichkeit“ zu erlangen. Doch für unseren ungebremsten und unbegrenzten Fortschritt werden wir einen hohen Preis zahlen müssen.

DIE GRENZEN BEIM STREBEN NACH GLÜCK

Seit Jahrzehnten ist es das primäre Ziel der Menschheit, das Glück der Menschen zu steigern. Bisher haben wir dies erreicht, indem wir das Ausmaß des Unglücklichseins minimiert haben. Doch wie werden wir unser Glück steigern, wenn alle potenziellen Quellen des Unglücks beseitigt sind?

Die USA sind eines der am weitesten entwickelten Länder der Welt, und ihr BIP ist von 1950 bis heute von 2 Milliarden auf 20 Milliarden Dollar gestiegen. Doch sind die Amis nun glücklicher? Nein, das subjektive Wohlbefinden ist heute nicht besser als vor 70 Jahren. Harari ist davon überzeugt, dass unser Glück gedeckelt ist. „Es scheint, dass unser Glück an eine mysteriöse gläserne Decke stößt, die es nicht unendlich wachsen lässt“, schreibt er, „trotz all unserer beispiellosen Errungenschaften. Selbst wenn wir kostenloses Essen für alle bereitstellen, alle Krankheiten heilen und den Weltfrieden sichern, wird das nicht unbedingt diese gläserne Decke durchdringen.“

FACTFULNESS – Die Welt Verstehen

Wie Arnold Schwarzenegger sagt: „Geld macht nicht glücklich. Ich habe jetzt 50 Millionen Dollar, aber ich war genauso glücklich, als ich 48 Millionen Dollar hatte“. Ab einem bestimmten Punkt kann keine Menge Geld oder eine andere Quelle der Freude eine Person wesentlich glücklicher machen.

Die Wissenschaft behauptet, dass Glück durch biochemische Prozesse bestimmt wird. Wenn wir also ein dauerhafteres Gefühl der Zufriedenheit erreichen wollen, müssen wir unser System manipulieren. Dazu müssen wir die menschliche Biochemie manipulieren. Ist dies möglich?

MEDIKAMENTE UND ILLEGALE DROGEN

Es ist nicht nur möglich, wir machen dies bereits. Menschen nehmen Drogen um einen kurzen Höhenflug zu erlangen und um Unglück zu minimieren schlucken wir Antidepressiva, Schlaftabletten und Ritalin. Forschungslabore arbeiten bereits an anderen, direkteren und effizienteren Wegen, um Glück auszulösen. Durch das Senden von elektrischen Signalen an die entsprechenden Stellen im Gehirn, soll Glück zukünftig dauerhaft, ohne die Nachteile von Drogen oder Medikamenten, abrufbar werden. Dies ist eindeutig eine Manipulation der menschlichen Biochemie.

Das Hauptziel des Fortschritts ist es, den Nutzen der Menschen zu erhöhen. Aber wenn wir durch biochemische Manipulationen den maximal möglichen Nutzen erreichen können, wozu brauchen wir dann überhaupt noch Fortschritt? Wird unser blindes Streben nach Glück im biologischen Re-Engineering des Menschen enden? Werden wir zukünftig immer glücklich sein, auch wenn wir unseren Job, den Ehepartner, oder sogar den Sinn des Lebens verlieren?

KI INTELLIGENT EINSETZEN 

Harari glaubt, dass der Erfolg der KI den Beginn einer völlig neuen Ära in der menschlichen Evolution markiert. Erstens, weil nach Hararis Ansicht, unsere Gefühle keine reine menschliche Qualität sind. Sie sind biochemische Mechanismen, die alle Säugetiere und Vögel nutzen, um Entscheidungen zu treffen, indem sie schnell Wahrscheinlichkeiten für Überleben und Fortpflanzung berechnen. Zweitens werden die Datenrevolution und der Fortschritt in der Biotechnologie, externe Systeme hervorbringen, die unsere Gefühle viel besser überwachen und verstehen können als wir selbst.

Er glaubt, dass wir irgendwann Algorithmen haben werden, die uns besser verstehen als wir die Algorithmen.

YUVAL NOAH HARARI – 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

WO GEHT DIE REISE HIN?

Die KI-Revolution wird noch weitreichendere Veränderungen mit sich bringen. Doch welche neuen Ideologien und Bewegungen werden entstehen?

Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen technologischen Revolution, die uns von den meisten, wenn nicht sogar allen Arbeitsplätzen verdrängen und eine dauerhaft nutzlose Klasse schaffen wird.

In der Vergangenheit haben neue Technologien zwar viele Arbeitsplätze beseitigt, aber auch gleichzeitig neue geschaffen. Die Vergangenheit lehrt uns, dass die Gesamtbeschäftigung nach technologischen Fortschritten sogar zunahm. So zum Beispiel nach der Übernahme der Fabriken während der industriellen Revolution. Anstatt Arbeiter, die Textilien von Hand herstellten, wurden nun Maschinenbediener benötigt.

Künstliche Intelligenz wird allerdings dafür verantwortlich sein, dass ein Großteil der jetzigen Berufe überflüssig werden. Dadurch bleiben weniger qualifizierte Arbeitnehmer eventuell auf der Strecke. Die Regierung muss sich also mit der Tatsache von dauerhaft arbeitslosen Menschen auseinandersetzen.

Was können wir tun um mit der neuen Technik mitzuhalten?

Harari skizziert in seinem Buch zwei Haupttypen von zukünftig möglichen Szenarien. Dem Techno-Humanismus und dem Dataismus – auch Datenreligion genannt. Die Datenreligion argumentiert, dass die Menschen ihre kosmische Aufgabe erfüllt haben und nun die Fackel an ganz neue Arten von Wesen weitergeben sollten. Der Techno-Humanismus hingegen stimmt zu, dass der Homo Sapiens, wie wir ihn kennen, seinen historischen Lauf genommen hat und in der Zukunft nicht mehr relevant sein wird, kommt aber zu dem Schluss, dass wir deshalb die Technologie nutzen sollten, um den Homo Deus zu erschaffen – ein viel besseres menschliches Modell. Der Homo Deus wird einige wesentliche menschliche Eigenschaften beibehalten, aber auch über verbesserte physische und mentale Fähigkeiten verfügen, die ihn in die Lage versetzen, selbst mit den ausgeklügeltsten Algorithmen mitzuhalten.

Der Tech-Humanismus kann uns helfen, viele der heutigen Herausforderungen zu bewältigen, indem er die Menschen weniger abhängig von irrationalen Instinkten und Glaubenssätzen und logischen Fehlschlüssen macht und sie der KI ähnlicher macht – objektiv, unparteiisch, evidenzbasiert und datengesteuert.

Schon heute nutzen wir den technologischen Fortschritt um unsere Körper zu optimieren und Defekte zu korrigieren. Künstliche Gelenke, Hörgeräte, Vollprothesen, bis hin zu Exoskeletten, es gibt bereits heute unzählige Produkte bei denen die Technik mit dem Menschen verschmilzt.

 

„Die Geschichte begann, als die Menschen Götter erfanden, und wird enden, wenn die Menschen zu Göttern werden.“
YUVAL NOAH HARARI

FAZIT

Yuval Harari warnt, dass alle in seinem Buch genannten Szenarien als Möglichkeiten und nicht als Prophezeiungen verstanden werden sollten. Wenn wir über die Zukunft nachdenken, sind unsere Horizonte in der Regel durch gegenwärtige Ideologien und Gesellschaftssysteme eingeschränkt.

In „Homo Deus“ skizziert Harari geschickt Material aus verschiedenen Bereichen wie Philosophie, Geschichte, Politik, Wirtschaft und Biologie – dadurch wirkt seine Argumentation makellos und nahtlos. Trotzdem sollten wir seine Behauptungen in Frage stellen, insbesondere seine Behauptungen über die Zukunft.

Niemand sollte versuchen die Zukunft vorherzusagen. Die Zukunft hängt von uns Menschen ab. Wir können keine verlässlichen Vorhersagen über die menschliche Entwicklung machen, weil der Verlauf der Ereignisse von unserer Wahrnehmung der Realität beeinflusst wird.

Wir allen bestimmen in welche Richtung die Zukunft sich entwickeln wird und nach welchen Idealen und Grundlagen wir sie gestalten möchten.

      

Alle Bücher von Yuval Noah Harari gibt es übrigens auch bei audible. 

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