AKTIENANALYSE AKAMAI TECHNOLOGIES

Akamai Technologies WKN: 928906. Heute mal wieder eine Aktienanalyse. Genau genommen wird dieser Beitrag nicht nur eine einfache Aktienanalyse. Ich werde dir heute zeigen, wie ich bei einer Aktienanalyse vorgehe. Welche Medien ziehe ich zur Hilfe, auf welche Kennzahlen achte ich und was sind die entscheidenden Faktoren ob ich mich letztendlich für oder gegen ein Investment entscheide?

Das Tech-Unternehmen aus den USA habe ich mir bereits 2018 in mein Musterdepot gelegt, mich aber dann aber doch für den Kauf von Wirecard Aktien entschieden. Was sich nun im Nachhinein als den schlechtesten Deal meines Lebens erwiesen hat. Durch den Betrugsskandal um Wirecard sind meine Aktien quasi nichts mehr wert und ein Totalverlust steht weiterhin im Raum. Akamai ist im gleichen Zeitraum um satte 60% gestiegen. Da ich nun eine neue Investition plane und auf der Suche nach einem Unternehmen bin, bei dem ich das Potenzial sehe, dass sich der Kurs in den nächsten 10 Jahren deutlich nach oben entwickeln wird, habe ich mal geschaut was ich so auf meiner Watchliste bzw. in meinem Musterdepot an Werten liegen habe. Dabei bin ich unter anderem über Akamai Technologies gestolpert und werde das Unternehmen nun etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Was ist Akamai Technologies

Zu allererst schaue ich mir mal an was das Unternehmen Akamai Technologies so genau macht. Das Naheliegendste ist hier natürlich ein Blick auf die Website von Akamai. 


Was mir sofort aufgefallen ist; Akamai ist ein international tätiges Unternehmen. Die Website kann man sich auf 10 verschieden Sprachen anzeigen lassen. Auch auf Deutsch. Was die Recherchearbeit deutlich erleichtert. Eine gute Struktur und jede Menge Videos helfen dabei, das Unternehmen näher kennenzulernen.

Akamai agiert mit seinen Produkten als eine Art Schnittstelle zwischen Anbieter und Konsument. Dadurch schafft Akamai schnelle, intelligente und sichere digitale Erlebnisse für Unternehmen. Akamai koordiniert und optimiert zum Beispiel die Lastverteilung von Webinhalten, ist der führende Anbieter von Clouddiensten und bietet Schutz vor Hackerangriffen (Cyber-Security). Die Dienste laufen für den Anwender größtenteils unsichtbar im Hintergrund. Das Wirtschaftsmagazin MONEY bezeichnet Akamai als Hightech-Klempner, der die Verbindungswege zwischen Großrechnern und Browsern schafft und mit gestreuter Computerpower sicherstellt, dass nichts verstopft. Dank Akamai läuft das Internet schneller, Grafiken und Videos lassen sich problemlos anzeigen und das Surfen wird für uns Nutzer erheblich angenehmer. Die angebotene Produktpalette ist riesig und deckt alles ab was mit den Themen Webperformance, Media Delivery, Cloud Solutions, Cyber Security und Network Operations zu tun hat. Also Zukunftsprodukte.

Auch die Namen der bestehenden Akamai-Kundschaft liest sich beeindruckend. NASA, Netflix, Adobe, airbnb, Apple, Audi, Concur, DAZN, Facebook, IKEA, Microsof, Airbus, Lufthansa…………die Liste an namenhaften Firmen ist definitiv bemerkenswert.   

Zahlen und Fakten

Angaben in USD | Quelle: www.comdirect.com
  • Aktuelle Mitarbeiterzahl: über 7.500
  • Akamai arbeitet weltweit mit etwa 288.000 Servern in 136 Ländern und fast 1.500 Netzwerken.
  • Der internationale Firmensitz von Akamai befindet sich in Cambridge, Massachusetts, USA, die deutsche Niederlassung ist seit 2012 in Garching bei München.
  • Akamai verantwortet 15–30 % des globalen Webverkehrs.Akamai belegte 2019 zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz in der Liste „Largest Cybersecurity Companies In Massachusetts“ des Boston Business Journal.
  • Akamai stellt täglich über 50 Terabyte Webverkehr pro Sekunde bereit.
  • Die großen Online-Musikhändler haben über die Akamai-Plattform Milliarden von Songs verkauft, Tendenz steigend.
  • Cricket World Cup 2019 – 25,3 Millionen gleichzeitige Zuschauer stellen einen neuen Weltrekord für Live-Streaming auf
  • 85 % der Internetnutzer weltweit befinden sich in Netzreichweite eines CDN-Servers von Akamai.
  • Seit über 20 Jahren verwandelt Akamai innovative Forschungsideen in bahnbrechende und unübertroffene Produkte.
  • Akamai besitzt exklusive Rechte für mehr als 375 US-Patente 

Wikipedia…. 

…ist meine nächste Informationsquelle. Mal schauen was sich hier über Akamai finden lässt.  Das Unternehmen ist immer noch relativ jung. Erst im Jahr 1998 gründete der Mathematikprofessor Tom Leighton gemeinsam mit den Studenten Daniel M. Lewin, Jonathan Seelig und Randall Kaplan die Akamai Technologies. Bereits ein Jahr später konnte man bereits ESPN und Yahoo! als erste Großkunden gewinnen. Danny Lewin starb am 11. September 2001.

Er befand sich an Bord des American Airlines-Flugs 11, der an diesem Tag in New York in das World Trade Center flog. Dr. Tom Leighton ist auch heute noch CEO und Vorstandsmitglied bei Akamai Technologies.

Häufig zeigt sich die Qualität eines Unternehmens dann, wenn etwas schiefläuft. Im Mai 2004 kam es zu einem nahezu vollständigen Ausfall der Webdienste, sodass viele große Netzpräsenzen der Akamai-Kunden nicht erreicht werden konnten. Anfangs vermutete Akamai einen Denial-of-Service-Angriff, später gab das Unternehmen bekannt, das Problem lag an einem Programmfehler in der Akamai-Software, der nach 90 Minuten behoben werden konnte.

Fundamental-Analyse

Wenn ich an diesem Punkt meiner Recherche angekommen bin und mir das Unternehmen immer noch als eine interessante Investition erscheint, werfe ich ein Blick auf die Kennzahlen der Aktie. Erste Anlaufstellen sind die Finanzportale comdirect, onvista und finanzen.net. Meistens finde ich hier alles was ich benötige. Trotzdem empfehle ich dir immer einen Blick in den letzten Jahresbericht zu werfen. Nur so kommst du an verlässliche Zahlen.

Je nach Anlagestrategie nutze ich unterschiedliche Kennzahlen. Bei meiner langfristig angelegten Dividendenstrategie achte ich vor allem auf kontinuierlich steigende Dividenden (Dividendenaristokraten) und langfristige Unternehmensziele. Da wir uns aber heute mit einer Aktie beschäftigen die keine Dividende auszahlt und ich diese in der Kategorie spekulative Anlage einsortiere, nutze ich eine abgeänderte Form der Levermann-Strategie zur Auswertung der Kennzahlen.

Eigene Berechnung ohne Gewähr

Qualität

Financial Highlights

Die Eigenkapitalrendite ist mit 12,92% zwar nicht schlecht, einen Punkt gibt allerdings erst ab 20%. Eigenkapitalrenditen ab etwa 10% gelten als gut und werden als Indikator für ein gesundes Unternehmen gewertet. Ich möchte aber eher ein bisschen mehr als nur gut.

Die EBIT-Marge, der Gewinn vor Zinsen und Steuern, zeigt die Profitabilität eines Unternehmens. Mit einer Gewinnmarge von fast 16,48% bekommt Akamai hier definitiv einen Punkt. Für über zwölf Prozent gibt es einen Pluspunkt, weniger als sechs Prozent werden als Minuspunkt gewertet.

Schulden sind nie gut. Anhand der Eigenkapitalquote erkennst du, wie sich das Eigen- und das Fremdkapital verteilen. Also wie verschuldet ein Unternehmen ist. Mehr als 25 Prozent Eigenkapital bringen einen Pluspunkt, weniger als 15 Prozent einen Minuspunkt. Der Bereich dazwischen ist neutral. Da Akamai in dieser Kennzahl mit über 50% glänzt, vergebe ich hierfür sogar zwei Punkte.

Preis

Kommen wir nun zur meistbetrachteten Kennzahl überhaupt, wenn es um das Bewerten von Aktien geht; dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder auf Englisch Price-Earnings-Ratio (PER). Das KGV lässt sich denkbar einfach berechnen: Der aktuelle Aktienkurs wird durch den Gewinn je Aktie dividiert. Das KGV zeigt dir das Verhältnis des aktuellen Marktkurses einer Aktie zu dem geschätzten Gewinn je Aktie. Somit lässt sich die Ertragskraft und auch deren Entwicklung eines Unternehmens im Vergleich zu anderen beurteilen. In der Regel gilt, je niedriger das KGV einer Aktie ist, desto preisgünstiger. Dies gilt aber nicht für alle Aktien. Vor allem so genannte Wachstumsaktien weisen meist ein höheres KGV auf. Dazu zählt auch Akamai mit einem aktuellen KGV von 42,42. Auch das KGV über die letzten 5 Jahre ist mit 32,25 zu hoch um bei meiner Analyse Punkte zu erhalten. Aber jetzt kommt das große „Aber“. Erstens, bei Wachstumsaktien fällt das KGV generell höher aus. Zweitens, Akamai rechnet 2022 mit einem KGV zwischen 17 und 26 (finanzen.net). Was für eine Wachstumsaktie ziemlich niedrig ist.

Bei Wachstumsaktien sollten man sich unbedingt auch das PEG anschauen um zu beurteilen ob die Aktie fair, unter- oder überbewertet ist. Besonders bei stark wachsenden Unternehmen ist PEG-Ratio aussagekräftig.

Wie ist die PEG-Ratio zu werten?

  • Ist das KGV höher als das die erwartete Wachstumsrate, ergibt sich ein Wert größer 1: Die Aktie ist überwertet.
  • Sind KGV und erwartete Wachstumsrate gleich hoch, ergibt sich ein Wert von 1: Die Aktie ist fair bewertet.
  • Ist das KGV niedriger als die erwartete Wachstumsrate, ergibt sich ein Wert kleiner 1: Die Aktie ist unterbewertet.

Mit eine PEG-Ratio von 3,11 gilt Akamai aktuell als überbewertet und erhält in meiner Analyse daher einen Minuspunkt.

Das gleiche sagt uns auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Aktie. Mit 4,13 ist das KBV doch ziemlich hoch und deutet auf eine Überbewertung der Aktie hin. Dies bedeutet, dass der Kurs über dem aktuellen Unternehmenswert liegt. Es könnte also durchaus sein, dass der Kurs im Laufe der Zeit wieder auf einen fairen Wert absinkt.

Beim KUV vergleichen wir die Marktkapitalisierung mit dem Jahresumsatz. Wenn das KUV unter 1 liegt, ist das Unternehmen moderat bewertet, es müssen keine überteuerten Preise gezahlt werden. Ab 1,5 ist schon ziemlich hoch. Über 2 sollte man die Finger weglassen. Auch das KUV sollte immer in Kombination mit anderen Kennzahlen verwendet werden und nie als alleiniges Entscheidungskriterium dienen. Mit dem KUV lassen sich auch sehr gut Firmen aus der gleichen Branche vergleichen. Das KUV von Akamai liegt aktuell bei 6,01!

Der Relative Stärke Index (RSI) ist ein Preisfolgeindikator, welcher zwischen den beiden Werten 0 und 100 schwanken kann. Liegt der RSI beispielsweise auf einem Wert oberhalb von 70, wird er als überkauft (schlecht) bezeichnet, ein Wert unterhalb von 30 gilt als überverkauft (gut). Mit 51,12 lag der RSI von Akamai zum Zeitpunkt der Analyse im neutralen Bereich. Quelle: www.stockrsi.com

Drei Buchempfehlungen zum Thema Aktienanalyse
 

Momentum & Trend

Die Reaktion auf die zuletzt veröffentlichen Quartalszahlen haben einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Aktienkursen und können dir somit einen entscheidenden Hinweis geben in welche Richtung die Reise gehen wird. Hat sich der Kurs in Relation zum passenden Aktienindex nach den Quartalszahlen positiv oder negativ entwickelt. Positive Überraschungen machen an der Börse den Unterschied aus. Bei einem relativen Kursanstieg von mehr als 1% gibt es einen Pluspunkt, bei einem Fall einen Minuspunkt. Beispiel: Die Aktien hat am Tag der Veröffentlichung um 4% zugelegt, der Markt (z.B. Aktienindex DAX) um 1%. Die Aktie hat also bereinigt (relativ) um 3% (4% – 1% = 3%) zugelegt.

Bei kleinen Werten die nicht in einem großen Index gehandelt werden, wird die Entwicklung des Werts nach den verkündeten Quartalszahlen berücksichtigt. Bei Anstieg 1, bei Verlust -1. Seitwärtsbewegung 0.

In Relation zum S&P 500 ist die Akamai Aktie um 4,6% gesunken, wofür es in meiner Bewertung einen Punktabzug gibt.  

Kursentwicklung. Mit einem Kursanstieg von 7,59% innerhalb der letzten sechs und sogar um 18,68% innerhalb der letzten zwölf Monate, kann Akamai hier punkten. Eine Aktie, deren Kurs in einem bestimmten Zeitraum um mehr als 5% verändert hat, wird sich mit relativer Wahrscheinlichkeit weiter in dieselbe Richtung entwickeln.

Mit dem Kursmomentum lässt sich feststellen ob es zu einer Trendwende gekommen ist. Aktien, deren Kurs über 12 Monate gesunken, über 6 Monate allerdings gestiegen ist, haben ein noch relativ junges Momentum, welches positiv zu bewerten ist. Entsprechend umgekehrt verhält es sich bei recht neuen sinkenden Kursen. Hier hat eine Trendumkehr stattgefunden, die mit einbezogen werden soll. Trendwenden zum Positiven werden belohnt. Trendwenden zum Negativen werden bestraft. Akamai verhält sich in dieser Disziplin neutral.

Viele Fonds sortieren Werte aus, die in den letzten 3 Monaten eine schlechte Performance hingelegt haben oder kaufen Aktien hinzu, die eine positive Performance hinter sich haben. Dieses Verhalten wirkt sich anfangs auf den Kurs aus und korrigieren sich später wieder. Der so genannte Reversaleffekt zeigt sich bei Akamai allerdings nicht – weder ins Negative, noch ins Positive.

Die letzte Kennzahl ist die Differenz aus der Gewinnprognose des nächsten Jahres mit der Gewinnprognose des laufenden Jahres. Durch diese Kennzahl können Aktien erkannt werden, die eine sinkende oder gleichbleibende Gewinnprognose haben. Mit 10,38% erhält Akamai einen klaren Punkt.

Ergebnis und Entscheidung

Kommen wir nun zu meinem Ergebnis und meiner Entscheidung. Das zukunftsorientierte Geschäftsmodell, solide Wachstumsraten und eine gesunde Unternehmensstruktur sprechen definitiv für Akamai. Die hohen Werte bei der Eigenkapitalquote, der Eigenkapitalrendite und der EBIT-Marge zeugen von einer stabilen Basis und Qualität. Ein positives Momentum und der Trend in Richtung Norden sprechen für ein Investment. Allerdings scheint mir der Preis der Aktie aktuell etwas zu hoch und die Aktie wirkt überbewertet. Ich werde daher abwarten und die Entwicklung von Akamai weiter beobachten.

 

 

 

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