WIRECARD – DIE BÖRSE IST NICHTS FÜR SCHWACHE NERVEN

Wirecard und meine persönlichen Erfahrungen mit dem Einbruch

Manchmal muss man Risiken eingehen um den ganz großen Pott zu gewinnen. Doch wie geht man mit 90% Kursverlust um?

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard ist letzte Woche eingebrochen und hat damit ein schweres Börsenbeben ausgelöst. Was war passiert, was habe ich damit zu tun und wie gehe ich damit um?

Meine Anlagestrategie sieht vor, dass ich 40% meines Börsenanlagevermögens in Dividendenaktien, 30% in ETFs, 10% in Rohstoffe und 20% in spekulative Aktien anlege. Für spekulative Aktien plane ich mit einem Anlagenhorizont von 10 Jahren. Ich investiere hier nur in Unternehmen, bei denen ich davon überzeugt bin, dass sie in 10 Jahren deutlich besser dastehen als heute. So ein Unternehmen ist zum Beispiel Wirecard. Am 12.09.2018 kaufte ich meine ersten Wirecard Aktien zu einem Kurs von 185,90. Kurz darauf kletterte die Aktie auf ihr bisheriges Allzeithoch von 192,50. Läuft doch super! Habe ich damals gedacht. Genau so kann es weitergehen. Leider kam es komplett anders. Bereits im November stand die Aktie nur noch bei 133,10. Die darauffolgenden Monate waren eine reine Berg- und Talfahrt. Genau wie man es von risikoreichen Anlagen erwartet. Bei Wirecard war dies hauptsächlich dadurch geschuldet, dass es ständig neue Vorwürfe und Anschuldigen gab. Bad News bestimmten den Kursverlauf.

Nachlesen kann man dies in chronologischer Reihenfolge in einer Slideshow der ARD

Wirecard         

Wie habe ich als überzeugter Wirecard-Anleger auf die ständigen Rückschläge reagiert? Ich habe nachgekauft und dann abgewartet, dass ich die Nachrichtenlage verbessert und es endlich mal ein paar „Good News“ gibt. Diese eine Nachricht, die alles besser macht, muss doch endlich kommen. Schließlich ist Wirecard eines der innovativsten Unternehmen Deutschlands. Auf so eine Nachricht wartete ich nach jedem Rückschlag, nach jedem neuen Vorwurf, nach jeder Aufschiebung der Jahresbilanz. Eine der folgenden Push-Up-Meldungen hätte ich gerne auf meinem Smartphone erhalten:

„Vorwürfen der Financial Times sind falsch.“  |   „Wirecard veröffentlicht makellosen KPMG-Prüfbericht“   |    „Wirecard tauscht den Vorstand aus“   |   „Lieber spät als nie, Wirecard veröffentlicht Jahresbilanz 2019“

Jede dieser Schlagzeilen hätte wahrscheinlich den Jackpot bedeutet.

Leider kam es zu keiner dieser Meldungen, sondern die meisten News zu Wirecard waren eher negativer Natur. Weiterhin ging es um vermeintlichen Betrug bei Treuhändern und die Befürchtung, dass es alles noch viel schlimmer ist als befürchtet.

Warum habe ich trotzdem weiterhin Nachgekauft? Weil ich weiterhin von dem Unternehmen überzeugt und mir sicher war, dass man aus den Fehlern lernt und es zukünftig besser machen wird.

Was habe ich falsch gemacht? Ich habe meine eigene Regel gebrochen und bin meiner Anlagestrategie nicht mehr treu geblieben. Der 20% Anteil an spekulativen Aktien, stieg durch die Nachkäufe nach Kurseinstürzen auf teilweise über 30%. Mein Durchschnittlicher Kaufkurs liegt mittlerweile bei 125,4 Euro pro Aktie. Bei einem Kurs von 131,80 im April 2020 bedeutete dies immer noch einen kleinen Gewinn mit weiterhin hervorragenden Aussichten auf den großen Pott.

Das große Geld blieb mir also vorerst verwehrt. Die Aktie könnte sich nach jedem Rückschlag zwar teilweise wieder erholen, kam aus dem Abwärtstrend aber nie wirklich raus. Dennoch blieb der ganz große Absturz weiterhin aus. Bis jetzt!

„Wer riesige Gewinne erwartet, darf sich nicht beschweren, wenn es auch Verluste gibt.“

Am 18. Juni 2020 kam dann der große Schock. Die Aktie fiel an einem einzigen Tag um über 60%. Am Tag darauf noch mal um 26%. Am heutigen Montag fiel Wirecard um weiter 38%. Dies bedeutet für mich einen aktuellen Kursverlust von über 90%. BAM! Das ist ein Schlag voll in die Fresse.

Was war passiert? Erneut wurde die Abgabe des Jahresberichts 2019 verschoben und auf einem Treuhandkonto tauchten nicht nachweisliche 1,9 Milliarden Euro auf. Noch schlimmer; angeblich existieren diese 1,9 Milliarden gar nicht. Alles Lüge? Unwissenheit? Dummheit? Betrug? Verrat? Was kommt noch? 

Was nun? Alles mir Verlust verkaufen oder investiert bleiben?

Aus unterschiedlichen Gründen glaube ich weiterhin an die Erfolgsgeschichte Wirecard. 

Ich investiere in Unternehmen, nicht in Kurse. Meiner Meinung nach wird Bargeld zukünftig immer weniger eine Rolle spielen. Schweden gibt hier den Vorreiter und will bis 2023 komplett auf Bargeld verzichten. Schon jetzt zahlen im Land der Elche fast alle per Smartphone oder Kreditkarte. Genauso habe ich selbst das auch in London, Norwegen und zuletzt in den USA erlebt. Und genau hier kommt Wirecard ins Spiel. Als einer der weltweit führenden Anbieter von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr wird dem Münchner Finanzdienstleister eine tragende Rolle in diesem Bereich zugesprochen. Die aktuellen Negativnachrichten und der dadurch entstandene Kurseinbruch, sollten den Erfolg des Geschäftsmodells auf lange Sicht nicht behindern.  

Sollte es Wirecard gelingen eine Insolvenz abzuwehren, werden einige Köpfe des Unternehmens sicherlich freigestellt und neue Leute eingestellt. Am vergangenen Freitag ist bereits der Gründer und Chef von Wirecard, Markus Braun, mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Dies wird für neuen Schwung sorgen und vor allem Struktur in das Unternehmen bringen.

 

Der Börse einen Schritt voraus – Neuauflage: Wie auch Sie mit Aktien verdienen können! 

 

Worst Case und die Auswirkungen

Natürlich, bin ich mir durchaus bewusst, dass es auch anders kommen kann und ich auch noch meine letztes in Wirecard investiertes Geld verlieren kann. Aber auch dann, bricht die Welt nicht zusammen. Es ist zwar schmerzhaft und sorgt für eine Delle in meinem Depot, aber mehr ist es auch nicht. Was zählt, ist was unterm Strich rauskommt und was man von solchen Ereignissen lernt. Schicksale, wie dies von Wirecard, zeigen, dass Diversifizierung und Risikostreuung enorm wichtige Faktoren sind, wenn man an der Börse investieren möchte. Hätte ich mein ganzen Kapital in Wirecard investiert, sehe ich ziemlich alt und vor allem blank aus. Da Wirecard aber nur eine von vielen Anlagen in meinem Depot ist, kann ich selbst mit einem so hohen Kursverlust weiterhin gut schlafen.

Nun heißt es abwarten, durchhalten und auf einen Kursanstieg von 800% hoffen. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich einen Sack voll Gold finde. Dennoch bleibe ich dabei. Die Börse ist nichts für schwache Nerven. Die Zockerei geht weiter. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.