MINDSET

Ich pflege die Einstellung mich an Menschen zu orientiert, die bereits dort sind, wo ich hin möchte. Unter anderem bedeutet dies auch, dass ich dieselben Bücher lese, wie diese Personen. Daher kam mir die Buchempfehlung von meinem Vorgesetzten natürlich sehr gelegen. Und die Lektüre „Mindset – Changing the way you think to fulfil your potential“ von Dr. Carol S. Dweck hat mich bereits nach den ersten gelesenen Seiten fasziniert. Ich hatte schon immer ein großes Interesse an den Verhaltensmustern der Menschen und habe bereits einige spannende Bücher über unser Denken und Verhalten gelesen. „Mindset“ hat mir aber noch einen anderen Blickwinkel gegeben und mir dadurch einen deutlichen Mehrwehrt verschafft. Warum erreichen manche Menschen mehr als andere? Haben sie einfach mehr Talent, oder steckt doch mehr dahinter?

Tippt man das Wort Mindset in eine Übersetzungssoftware erhält man mehrere Lösungen. Denkweise, Einstellung, Orientierung, Mentalität. Doch am zutreffendsten ist die Übersetzung Geisteshaltung.

„Talent wird nicht in den Genen vererbt, sondern in der Denkweise“ 

            Dr. Carol S. Dweck

Es gibt Eigenschaften an uns auf die wir nur einen geringen bis keinen Einfluss nehmen können. Wie zum Beispiel unser natürliches Aussehen, unsere Körpergröße, die Form unserer Ohren oder die Farbe unserer Augen. Worüber wir aber die volle Kontrolle haben, ist unsere Geisteshaltung. Unsere Denkweise. Unser Mindset.

Dr. Carol S. Dweck spricht in ihrem Buch von zwei unterschiedlichen Mindsets. Dem „fixed Mindset“ (alles was du kannst ist in Stein gemeißelt) und dem „growth Mindset“ (du kannst alles erlernen, wenn du hart dafür arbeitest). Menschen mit einem fixed Mindset stecken sich selbst in Schubladen, oder lassen sich bestimmte Labels aufdrücken. Sei es durch ihre Eltern, Lehrer, Mitmenschen oder Vorgesetzten. Ich bin intelligent, ich bin dumm, ich bin hässlich, ich kann alles, ich habe kein Talent. An diesen Labels werden sich Personen mit einem fixed Mindset von nun an ständig selbst bewerten und messen.

Früher gab es in manchen Ländern einen IQ Test, nach dem Kinder den ihrem Intelligenzgrad entsprechenden Schulen zugewiesen wurden. Kinder mit einem niedrigen Testergebnis die zu einem fixed Mindset, also einer starren Geisteshaltung, neigten, wurden somit gelabelt und ein Leben lang geprägt. Für sie war von nun an klar, dass sie für diese Welt nicht klug genug sind und ihnen ein Stipendium für immer verwehrt sein wird. Nicht ganz so schlecht, aber nur wenig besser, erging es Kindern mit einem hohen IQ, aber einem fixed Mindset. Denn nun waren die Erwartungen an sie riesig. Schließlich sind sie mit einer besonderen Intelligenz gesegnet. Nicht wenige scheiterten an diesem Druck. Nicht weil sie nicht gut genug waren, sondern weil ihnen nicht bewusst war, dass sie sich trotzdem anstrengen müssen und ihnen nicht alles in den Schoß fällt, nur weil sie in einem IQ-Test gut abgeschnitten haben.

Menschen mit einem fixed Mindset glauben, dass Talent alles ist. Wenn sie nicht die Fähigkeit haben etwas zu tun, sind sie zum Scheitern verurteilt. Ihre Fähigkeiten scheinen fest in ihren Genen niedergeschrieben zu sein. Genau wie ihr Aussehen. Daher werden sie nie versuchen sich in etwas zu verbessern, indem sie momentan schlecht sind. Die Angst vor dem Versagen ist zu groß.

Im Gegensatz dazu glauben Menschen mit einem growth Mindset, dass alles, was sie erreichen wollen, möglich ist. Solange sie hart dafür arbeiten, sich auf ihr Ziel fokussieren und so viel üben wie möglich.

Wir alle kamen mit der Liebe zum Lernen auf die Welt. Keiner von uns konnte als Baby Laufen, oder sprechen. Wir mussten diese Fähigkeiten erst erlernen. Warum also mit dem Lernen aufhören?

Vielleicht hast Du schon mal etwas von folgendem Sprichwort gehört.

„Harte Arbeit schlägt Talent, wenn Talent an der harten Arbeit gescheitert ist“

Personen mit einem fixed Mindset haben eine andere Sichtweise. In ihrer Welt ist Talent alles. Und wenn sie für eine bestimme Tätigkeit kein Talent haben, dann machen sie eben etwas Anderes oder geben allem und allen die Schuld, warum sie gescheitert sind. Sie sind Opfer des fixed Mindsets.

Dies heißt nicht, dass Personen mit einem fixed Mindset keinen Erfolg haben können. Es gibt durchaus Beispiele in denen Talent ausreicht um ein gewissen Potenzial abzurufen und damit erhebliche Erfolge zu erzielen. Doch der Platz ganz oben auf dem Podest bleibt meistens aus, da das growth Mindset sich am Ende durchsetzt.

Als Beispiel können wir uns den Boxer Sonny Liston anschauen. Sonny hatte alle Voraussetzungen die es benötigte um einer der besten Boxer aller Zeiten zu werden. Vor dem legendären Kampf mit Muhammed Ali sprach alles für Liston. Er war größer, stärker und verfügte über deutlich mehr Erfahrung als Ali. Doch Ali besaß das growth Mindest und hat sich akribisch auf den Kampf vorbereitet. Nicht nur, dass er den Kampfstil von Liston analysierte, er beobachtete auch sein Verhalten außerhalb des Rings. Er studierte ihn und erlernte dadurch alle seine Schwächen.

„Ich las alles, was ich über Sonny finden konnte. Analysierte jedes Interview. Ich sprach mit Menschen, die in seiner Nähe waren oder mit ihm gesprochen hatten. Ich lag im Bett und puzzelte alles zusammen, dachte darüber nach und versuchte mir ein Bild davon zu machen, wie sein Verstand funktionierte.”  

             Muhammed Ali

 

 

Und dieses Wissen hat Ali genutzt um Liston zu besiegen. Er hat sich nicht nur auf sein Talent und seinen Körper verlassen. Er hat gezielt gelernt und trainiert.

Ein weiteres Beispiel liefert wieder der Sport. Michael Jordan, den besten Basketballspieler den die Welt je gesehen hat.  Noch nie zuvor hat ein Sportler seine Sportart so dominiert wie Michael Jordan. Aber auch er hatte dies nicht alleine seinem Talent zu verdanken. Michael musste in seiner Laufbahn einige Rückschläge hinnehmen. Als Kind hat er sich unendliche Duelle mit seinem Bruder geliefert. Die meisten davon hat er verloren. In der High-School wurde er nicht in das Basketball Team berufen, da man ihn nicht für gut genug befand. Sein favorisiertes College hat ihn nicht rekrutiert und auch die Profimannschaften der NBA haben ihn erst an dritter Stelle gedraftet. Damals war er einfach nur Michael Jordan. Und nicht MICHAEL JORDAN der beste Basketballer aller Zeiten – His Airness.

“I’ve missed more than 9000 shots in my career. I’ve lost almost 300 games. 26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed. I’ve failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed.”

             Michael Jordan

 

 

Doch wie hat Jordan es trotzdem zu dieser einzigartigen Karriere geschafft? Er besitzt das growth Mindset und weiß damit in Perfektion umzugehen.    

Jordan war der am härteste arbeitende Sportler in der Geschichte des Sports.  Nachdem der junge Michael es nicht in die Schulmannschaft der High-School geschafft hatte, stand er jeden Tag um sechs Uhr morgens auf um noch vor dem Unterricht zu trainieren. Als man ihm zu einem späteren Zeitpunkt nachsagte, er sei kein guter Verteidiger, verbrachte er täglich mehrere Stunden damit sich in dieser Hinsicht zu verbessern.  In der Folge schaffte er es neunmal in das All-Defensive first team der NBA, 1988 wurde er sogar zum Defensive Player of the Year gewählt. Seine Trainer waren immer wieder erstaunt über seine Bereitschaft, härter als alle anderen zu arbeiten. Nach einer Niederlage im letzten Spiel einer langen Saison, ging Michael in die Halle und trainierte stundenlang an seinem Wurf. Er bereitete sich für die neue Saison vor und wollte noch besser werden.  

Für Jordan kommt der Erfolg aus dem Kopf. Das richtige Mindset.

„The mental toughness and the heart are a lot stronger than some of the physical advantages you might have”

Nicht nur im Sport finden wir die Phänomene des growth Mindset. Auch die Wirtschaft hat einige Beispiele vorzuweisen.

Zwei berühmte Beispiele sind Lee Iacocca, der Chrysler leitete, und Lou Gerstner, ehemaliger CEO von IBM.

Beide kamen, als die Unternehmen am Boden lagen, und beide haben sie erfolgreich umgekrempelt. Der Unterschied liegt in dem, was danach geschah.

Iacocca wurde selbstgefällig. Er übernahm die ganze Verantwortung, umgab sich mit Verehrern und sorgte sich mehr um sein eigenes Image als um das Unternehmen. Die Suche nach Anerkennung um sein geringes Selbstwertgefühl auszugleichen, führte dazu, dass er schlechte Entscheidungen traf. Er ignorierte schwindende Umsatzzahlen, entließ innovative Designer und setzte auf die falschen Personen. Was das Unternehmen wieder zu Fall brachte.

Gerstner hingegen erkannte, dass die internen Kämpfe bei IBM die Teamarbeit und den Kundenservice beeinträchtigten. Er brach alte Hierarchien auf und stellte sich sogar auf die Mitarbeiterebene, um mit jeder Person auf Augenhöhe zu kommunizieren. Indem er sich auf Teamarbeit konzentrierte und aus vergangenen Misserfolgen lernte, zeigte er eine echte Wachstumshaltung (growth Mindset) und brachte IBM nachhaltigen Erfolg.

„Wir alle werden mit einem growth Mindset geboren. Babys kennen keine Grenzen, sie wollen alles und jenes lernen.“

 

Diagramm von Nigel Holmes

 

Eltern und Lehrer spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unserer Denkweise. Ein schlechter Lehrer könnte einem Vierer-Schüler sagen, dass er nie etwas erreichen wird, während ein guter Lehrer ihn ermutigen würde, mehr zu lernen um im nächsten Test besser abzuschneiden.

Die Autorin Dr. Carol S. Dweck erläutert all dies ausführlich in Ihrem Buch „Mindset – Changing the way you think to fulfil your potential“ und bringt viele schöne Beispiele. Carol erklärt sehr gut, woher die unterschiedlichen Geisteshaltungen (Mindsets) kommen, welche Konsequenzen sie haben und wie man selbst eine Wachstumshaltung (growth Mindset) einnehmen kann.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der denkt, Talent ist alles, und wenn man keins hat, dann erreicht man eh nichts. Dem Übermütigen Schüler, der nie lernt, weil er denkt die guten Noten fallen ihm einfach so in den Schoß. Dem Sportler, der es einfach nicht auf die nächste Niveaustufe schafft. Allen Eltern, Lehrern und Personalverantwortlichen. Aber auch jedem anderen, der einfach mal einen Schubs in eine neue Geisteshaltung benötigt.

 

 

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, würde es mich sehr freuen, wenn du ihn teilst. Vielen Dank dafür.

zum weiterlesen  THE BIG FIVE FOR LIVE

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.