DIE INVESTMENTSTEUERREFORM 2018

Wenn Du Fonds, oder ETFs in Deinem Depot hast, hast Du sicherlich bereits ein Schreiben von Deiner Bank oder Deinem Broker erhalten, dass sich die Besteuerung Deiner Anlage ab dem 01.01.2018 ändert. Die große Investmentsteuerreform 2018.

Ich selbst hasse es, mich mit Steuern auseinanderzusetzen. Dennoch gehört es nun mal dazu, wenn man sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt. In diesem Beitrag werde ich versuchen Dir die oben genannten Änderungen verständlich und mit einfachen Worten zu erläutern, soweit dies bei einem Steuergesetz überhaupt möglich ist.

Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich kein Steuerexperte bin und die kommende Ausführung rein auf meinen Analysen und meinem Verständnis beruht.

Bevor ich starte, möchte ich noch kurz zwei Begriffe erklären.

Was ist die Abgeltungssteuer (Kapitalertragssteuer)?

Sämtliche  Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und auch Veräußerungsgewinne unterliegen der 2009 eingeführten Abgeltungssteuer. Dies bedeutet, dass 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag, und seit Januar 2015 auch Kirchensteuer, von Deinen Kapitalerträgen an den Fiskus wandern. Insgesamt sind das ca. 28 Prozent.

Was bedeutet Bestandsschutz bei Investmentanlagen?

Vor Einführung der Abgeltungssteuer waren Erträge aus Wertpapieren nach Ablauf einer Haltefrist von einem Jahr steuerfrei. Deshalb musst Du beim Verkauf von Fondsanteilen, die Du vor 2009 gekauft hast, keine Abgeltungsteuer zahlen.

Warum wird das Gesetz geändert?

Auf die Frage nach dem „Warum“ konnte ich mehrere Beweggründe finden. Zum einen sollen durch die Änderung angebliche Grauzonen, die der Steuerhinterziehung dienen, eliminiert werden. Zum anderen wird durch die pauschale Besteuerung zu Beginn des Jahres auch die Steuerstundung aufgehoben. Dies ist natürlich ein erheblicher Vorteil für den Staat, der sein Geld nun früher erhält und damit wirtschaften kann. Tatsächlich scheint es aber auch einfacher zu werden. Die Steuer auf Investmentfonds wird künftig von der Depotbank berechnet und direkt einbehalten. Das gilt auch für thesaurierende Fonds, die im Ausland aufgelegt sind. Sparer müssen keine Extra-Angaben mehr in der Steuererklärung machen und keine Unterlagen mehr aufheben.

Wie funktioniert die Besteuerung?

Anhand einer jährlichen Vorabpauschale werden zukünftig alle Fonds nach der gleichen Systematik besteuert. Um die Vorabpauschale zu bestimmen, muss zuerst der Basisertrag aus dem Wert der Fondanteile und 70 Prozent des jährlichen Basiszinses gemäß Bewertungsgesetz (vgl. § 203 Absatz 2) berechnet werden. 2016 lag der Basiszins bei 1,1 Prozent. Die Berechnung der Steuerlast bei thesaurierenden und ausschüttenden Fonds ist zwar unterschiedlich, spätestens beim Verkauf kommt unterm Strich aber das gleiche raus. Über das alles musst Du Dir aber keine Gedanken machen, Deine Depotbank führt die Steuern automatisch ab.

Falls es Dich dennoch interessiert, hier ein vereinfachtes Rechenbeispiel anhand eines thesaurierenden Aktienfonds mit dem Basiszinssatz aus 2016.

Da in diesem Fall der Basisertrag mit 38,50 Euro niedriger ist als die erzielte Wertsteigerung mit 500 Euro, wird der Basisertrag als Vorabpauschale genommen. Sollte die Wertsteigerung kleiner ausfallen als der Basisertrag, dient die Wertsteigerung als Vorabpauschale. Bei keiner oder einer negativen Wertsteigerung fallen keine Steuern an. 

Erträge aus Aktien- und Mischfonds werden zukünftig nicht mehr zu 100 Prozent besteuert, sondern durch eine so genannte Teilfreistellung gemindert. Für Aktienfonds beträgt die Teilfreistellung 30 Prozent, für Mischfonds 15 Prozent und für Immobilienfonds 20-40 Prozent.

In unserem Beispiel beträgt die zu versteuernde Vorabpauschale 38,50 Euro. Die daraus resultierende  Steuerlast beträgt dann 28 Prozent  * (0,7 * 38,5 Euro) = 7,55 Euro.

Die neue Investmentsteuerreform betrifft natürlich auch die Besteuerung beim Verkauf von Investmentfonds. Alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer des Fonds angesetzt wurden, werden auf die Veräußerungsgewinne in voller Höhe angerechnet. Du musst diese Erträge somit kein zweites Mal besteuern. Das ist vor allem für Anleger von ausländischen thesaurierenden Fonds eine starke Vereinfachung. Auch beim Verkauf gelten die oben genannten Teilfreistellungen von 30 Prozent bei Aktienfonds und 15 Prozent bei Mischfonds. Solltest Du einen Fonds mit Verlust verkaufen, werden die bereits bezahlten Steuern auf Vorabpauschalen angerechnet und Du kannst den Verlust ins nächste Steuerjahr übertragen.

Bei ausschüttenden Fonds sieht die Bemessungsgrundlage etwas anders aus, da auch die Dividenden mit einbezogen werden. Unterm Strich kommt aber das selbe raus. 

Wie wirkt sich die Investmentsteuerreform auf Deine Anlage aus?

Vorteile

Bei Aktienfonds sind pauschal 30 Prozent aller Erträge steuerfrei, d.h. Du musst nur 70 Prozent Deiner Erträge besteuern. Bei Mischfonds, deren Aktienanteil mindestens 25 Prozent beträgt, sind immerhin noch 15 Prozent steuerfrei.

Bei der Wahl des richtigen Fonds oder ETFs sind steuerliche Kriterien künftig weniger relevant. Du kannst Dich also auf andere Kriterien konzentrieren

Sparer müssen sich bei der Steuererklärung keine Gedanken mehr darum machen, wo der Fonds angesiedelt ist und ob er Dividenden ausschüttet.

Wenn Deine Erträge unter dem Jahresfreibetrag von 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten) bleiben, zahlst Du keine Steuern.

Bei Riester- oder Rürupverträgen ändert sich bei der Besteuerung nichts. Wer im Rahmen einer fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung anspart, hat weiterhin den Vorteil, dass Dividenden und Zinsen während der Ansparphase beim Anleger steuerfrei sind.

Nachteile

Der Bestandsschutz fällt weg. Dies bedeutet, dass auch für Fonds die vor 2009 gekauft wurden, Erträge, die nach 2018 erzielt werden, versteuert werden müssen. Bei Verkauf gibt es für diese Bestände allerdings einen Freibetrag von 100.000 Euro.

Quellensteuer auf ausländische Dividenden können Anleger nicht länger auf die Abgeltungssteuer anrechnen

Was passiert mit Deinen bestehenden Fonds?

Damit die neue Investmentsteuerreform auf Deine Fonds greift, wird Deine Depotbank Deine Fondanteile von Fonds die Du bereits vor 2009 gekauft hast, virtuell verkaufen und sofort wieder neu erwerben. Damit erlischt Dein Bestandsschutz und alle Erträge die ab 2018 entstehen, fallen beim Verkauf unter das neue Steuergesetzt. Die klingt nun natürlich erst einmal ziemlich negativ. Damit nicht allzu viel Ärger entsteht, hat der Gesetzgeber allerdings eine Freigrenze von 100.000 Euro zugesagt. Bei Deinen Altbeständen bleiben Gewinne bis zu dieser Grenze also weiterhin steuerfrei.

Mein FAZIT

Unter dem Strich kommt es meines Erachtens nach zu keiner Mehrbelastung. Durch die jährliche Abführung der Steuer, sehe ich hinsichtlich der Auslastung des Freibetrages, sogar eher eine Steuerentlastung und damit einen Mehrwert. Da die Berechnung und die Besteuerung durch die depotführende Bank erledigt werden, und ich somit keinen Mehraufwand habe, sehe ich der Reform entspannt entgegen.

Quellenangaben:
www.bvi.de
www.finanztip.de
www.faz.net

Lerne in meiner Blog-Reihe „Das Verständnis vom Geld“ den richtigen Umgang mit Geld und wie Du richtig investierst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.