DAS VERSTÄNDNIS VOM GELD – TEIL 2

Im ersten Teil des Blog Beitrags habe ich von meinen ersten Erfahrungen im Umgang mit Geld berichtet und wie ich begann mich mehr dafür zu interessieren. In diesem Beitrag werde ich darauf eingehen mit welchen Anlageprodukten ich startete und wie ich heute investiere.

Über mein erstes Anlageprodukt dem VWL Bausparen und die damit verbundenen Möglichkeiten die Du nutzen kannst um staatliche Förderungen zu erhalten, habe ich bereits geschrieben. Durch meine Tätigkeit als selbstständiger Vermögensberater und einer damit verbundenen Ausbildung zum Fachmann für Versicherungen, Bausparen und Investmentanlagen, lernte ich im weiteren Verlauf meiner beruflichen Karriere noch weitere Formen der Geldanlage kennen. Die meisten Produkte, welche ich zu diesem Zeitpunkt vertrieb, nutzte ich auch selber und konnte somit einen sehr guten Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedensten Produkte erlangen. Eines dieser Produkte werde ich in diesem Beitrag vorstellen. Den Sparplan.

Um Geld anzusparen eignet sich ein Investmentfonds- oder ETF-Sparplan. Aber auch hier gibt es noch etliche Möglichkeiten der Differenzierung. Willst Du direkt in einen Aktienfonds einsteigen, oder soll es doch lieber etwas konservativer sein? Dann bieten sich eventuell Rentenfonds, Dachfonds oder Mischfonds an. Zusätzlich stehen auch noch Immobilienfonds, Geldmarktfonds, Garantiefonds und Indexfonds zur Auswahl. Um das geeignete Produkt zu finden musst Du Dir vorab über ein paar Dinge klar werden. Neben der Risikobereitschaft, hier gilt die Faustformel, je höher das Risiko, desto höher die Chance auf hohe Renditen, aber auch auf den Totalverlust, gilt es zu klären, für wie lange Du das Geld anlegen möchtest. Du solltest differenzieren ob Du einen kurz-, mittel- oder langfristigen Anlagehorizont verfolgst. Je länger der Anlagehorizont, desto risikofreudiger kannst Du bei der Wahl der Anlage sein.

Ich möchte nicht auf alle Arten von Investmentfonds eingehen, sondern werde an drei Beispielen zeigen warum der Anlagehorizont und die eigene Risikobereitschaft bei der Wahl entscheidend sind.

Für kurzfristige (0-2 Jahre) Ansparungen bieten sich Geldmarktfonds an. Hier wird sehr  konservativ in Bankguthaben oder verzinsliche Wertpapiere investiert. Die Wertentwicklung der Fondsanteile orientiert sich am aktuellen Zinsniveau, das am Geldmarkt vorherrscht. Wegen der  günstigeren Konditionen ist die Rendite aber dennoch häufig höher als bei einem Sparbuch oder Festgeldkonto. Fazit: Risiko niedrig / Chance niedrig

Wer auch mittel- bis langfristig lieber konservativ investieren möchte, geht einen Schritt weiter und spart in einen Rentenfonds. Das Wort „Renten“ hat dabei aber nichts mit unserer späteren Rente oder einer Rentenversicherung zu tun. Rentenfonds bestehen aus unterschiedlichen fest oder variabel verzinslichen Wertpapieren (Anleihen), die unterschiedliche Laufzeiten und Zinssätze haben. Da diese Art von Investmentfonds ein geringes Risiko aufweist und dennoch teilweise 5% oder mehr jährliche Rendite, bei einer langfristigen Anlage, erzielt, eignen sich Rentenfonds auch zur Altersvorsorge. Die Renditen von Rentenfonds bleiben allerdings immer hinter denen von Aktienfonds. Fazit: Risiko niedrig / Chance mittel

Ein langfristiger (>6 Jahre) Sparplan in einen Aktienfonds sollte sich immer auszahlen. Ein Aktienfonds ist eine Zusammensetzung aus verschiedenen Aktien unterschiedlicher deutscher oder internationaler Unternehmen. Du profitierst hierbei von Kursgewinnen und Dividenden. Aktien sind teilweise deutlichen Schwankungen ausgesetzt und weisen daher ein höheres Risiko auf wie konservativere Investmentfonds. Andererseits lassen sich damit aber auch besonders hohe Renditen von bis zu 10% oder teilweise sogar weitaus mehr erzielen. Das Risiko kann zudem minimiert werden, wenn man in Aktienfonds mit einer breiten Streuung investiert. Dies bedeutet, dass der Fonds auf Aktien unterschiedlicher Unternehmen aus diversen Branchen setzt. Dadurch fallen meistens aber auch die Kursgewinne niedriger aus. Fazit: Risiko hoch / Chance hoch

Vorteile von Sparplänen im Überblick

  • Sparpläne bereits ab 25 € monatlich möglich
  • Sparrate flexibel anpassbar
  • Cost-Average-Effect
  • Zinseszinseffekt
  • Keine Laufzeiten
  • Einfache Verwaltung

Gerade wenn Du frisch damit anfängst Dir ein Vermögen mit einem Sparplan aufzubauen, bietet der Cost-Average-Effect, auf Deutsch Durchschnittskosteneffekt, eine gewisse Risikominderung hinsichtlich der Kursschwankungen (Volatilität). Das heißt, wenn Du monatlich 100 € in einen Investmentfonds sparst, dann kaufst Du immer zu unterschiedlichen Preisen. Mal ist der Kurs höher, mal niedriger. Bei fallenden Kursen kaufst Du mehr Anteile, bei steigenden Kursen weniger Anteile.  

Für jemanden, der regelmäßig investiert und einen langen Atem hat, ist es positiv, wenn die Kurse zeitweise sinken
Peter Lynch, Manager des Fidelity Magellan Fund

Der Cost-Average-Effekt ist aber keine Garantie dafür, dass Du mit einem Sparplan Gewinne einfährst. Liegt der Verkaufskurs, beim dem Du Deine Anteile veräußert, unter dem gekauften Durchschnittskurs, hat euch auch der Cost-Average-Effekt nicht weitergeholfen. Das richtige Timing bleibt zumindest beim Verkauf der Anteile fundamental.

Was leider sehr häufig unterschätzt wird, aber einen enormen Vorteil bietet, ist der Zinseszinseffekt bei langfristigen Sparplänen. Auf langer Sicht wächst eine Geldanlage bei gleichbleibender Rendite nicht linear, sondern exponentiell. Die Zinsen fallen also jedes Jahr höher aus.

Beispielsrechnung mit einer Sparrate von 150 € monatlich und einem angenommen jährlichen Zinssatz von 6%

Wie Du aus der Beispielsrechnung entnehmen kannst, beträgt der Zinsanteil nach 30 Jahren satte 92.929,64 €, bei gerade mal 54.000 € Einzahlung. Ist das nicht genug Motivation einen Sparplan langfristig zu halten?

Der Zinseszinseffekt ist die größte Entdeckung der Mathematik
Albert Einstein, Theoretischer Physiker

Ich persönlich investiere bei Sparplänen nur in ETFs (Exchange Traded Funds). ETFs sind Indexfonds die einen Index, wie zum Beispiel den DAX, so exakt und kostengünstig wie möglich nachbilden. Der Anleger partizipiert dabei an allen Einnahmen wie Dividenden und Zinszahlungen der im ETF enthaltenen Einzelwerte. ETFs sind deutlich kostengünstiger als herkömmliche Investmentfonds. Einen Ausgabeaufschlag gibt es nicht. Bei ETFs liegen die laufenden Kosten (Total Expense Ratio) oft bei unter 1% pro Jahr. Hinzu kommen dann lediglich noch die klassischen Ordergebühren. Aber auch hier lässt sich noch etwas einsparen. Da der Wettbewerb von Online Brokern und Anbietern von ETFs immer größer wird, bieten viele Broker mittlerweile günstige und lukrative Aktionsangebote an. Im Rahmen solcher Angebote werden die Ordergebühren verringert oder entfallen teilweise sogar komplett. Schnäppchenjäger kommen hier voll zum Zuge.

In welche ETFs investiere ich, und warum?

Aktuell spare ich in zwei ETFs. Zum einen ist dies der ISHARES MDAX(DE)UCITS ETF. Ein ETF der möglichst genau die Wertentwicklung des MDAX abbildet. Der MDax hat seinen großen Bruder den DAX in der Vergangenheit immer deutlich geschlagen und hüpft seit einem halben Jahr von einem Allzeithoch zum nächsten. Zudem agieren einige der mittelgroßen Unternehmen aus dem MDAX mit Spezialprodukten in Nischenmärkten, wo sie dann jedoch Weltmarkt- oder zumindest Technologieführer sind. Dies macht sie ein stückweit krisenresistenter und sorgt für überdurchschnittlich hohe Gewinnmargen. Hiermit investiere ich in unterschiedliche Branchen, aber auch nur in einen Markt. Stürzt der Markt in Deutschland ab und der MDAX verliert an Wert, stürzt mein ETF mit ihm ab.

Meine zweite Sparrate läuft in den ISHARES CORE MSCI WORLD UCITS ETF. Der Referenzindex ist bei diesem ETF der MSCI World der 1.600 Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus entwickelten Ländern weltweit beinhaltet. Wobei der ETF mit ca. 60% sehr USA lastig ist. Durch die breite Streuung in mehrere Branchen und Märkte minimiere ich das Risiko, bin aber gleichzeitig überall mit dabei. Aber halt nur mit geringen Anteilen. Mit knapp 2% Gewichtung ist Apple der größte Wert im ETF.   

Vorteile von ETFs im Überblick

  • Einfach in ganze Märkte investieren
  • Kostengünstig
  • Zu üblichen Börsenzeiten handelbar
  • Anlagestrategie jederzeit bekannt
  • Übersichtliche Kostenstruktur
  • Aktionsangebote

Was benötigst Du um in einen Sparplan zu investieren?

Voraussetzung ist die Eröffnung eines Depots mit einem dazugehörigen Verrechnungskonto. Hier bietet sich vor allem eine Direktbank bzw. ein Online Broker an.

Auch wenn es mittlerweile viele unterschiedliche Anbieter gibt, ähneln sie sich doch alle im Angebot und in der Nutzung. Dennoch gibt es auch Unterschiede. Die Seite finanzen.net bietet diesbezüglich einen übersichtlichen Vergleich.

Ich selber nutze DiBa und comdirect. Wobei ich die meisten Transaktionen über comdirect tätige. Die Handhabung ist sehr einfach und übersichtlich. Sollte man mal nicht klarkommen oder sonstige Fragen haben, ist auch der telefonische Support echt super. Zusätzlich bietet comdirect viele weitere nützliche Angebote, wie unter anderem die Möglichkeit mehrere Musterdepots einzurichten, einen kostenlosen Komfortservice, der es ermöglicht auch Fremddepots anzuzeigen, eine Depotanalyse und vor allem das gewinnbringende Bonussparen halte ich für eine sinnvolle Zusatzleistung. Hiermit verdienst Du selbst beim Shoppen.

Das Einrichten eines Sparplans geht sowohl bei der DiBa wie auch bei comdirect kinderleicht. Auch hinsichtlich des Geldflusses musst Du bei einem Sparplan nichts Besonderes beachten. Wenn Du Dein Girokonto als Referenzkonto hinterlegst, kannst Du den Sparbetrag abbuchen lassen. Für Einmalanlagen, wie zum Beispiel Aktienkäufe, muss vorab Geld auf das Verrechnungskonto überwiesen werden.

ETF Sparpläne bei einem Online Broker sind sehr flexibel. Egal, ob Du das Sparintervall, den Sparbetrag oder den ETF ändern möchtest, kannst Du das alles mit wenigen Klicks online anpassen. Dies macht den ETF Sparplan zu einer der interessantesten und kostengünstigsten Möglichkeiten Geld anzusparen.

Am besten Du probierst dies gleich mal aus und startest damit mehr aus Deinem Geld zu machen.



3 thoughts on “DAS VERSTÄNDNIS VOM GELD – TEIL 2

  1. Moin Jörg,
    fange hier mal ein neues Gespräch an, weil ich denke, dass das Thema mehr unter diesem Post passt.

    Diesen Zweiteiler finde ich sehr interessant und auch sehr gut geschrieben. Aber ich finde, dass das simple Thema ‚Verständnis vom Geld‘ zu schnell viel zu komplex wurde (Aktien, Arbeitnehmersparzulage…). Das hättest du vielleicht noch ein bisschen mehr aufteilen können und ein langsamerer Einstieg wäre für manche glaube ich auch gut 😀 Sonst inhaltlich Top, warte auf die nächsten Teile 😉

    Um den Titel ‚das Verständnis vom Geld‘ irgendwie kürzer und einfacher zusammenzufassen, würde ich auch sagen, dass es extrem wichtig ist sich mit dem Thema Geld zu beschäftigen, um dem Ganzen erstmal bewusster gegenüber zutreten.
    Meine Frage an dich persönlich ist, ob du auch in deiner Situation (Vollzeitberuf, Familie, Haus, bist wahrscheinlich auch dein eigener Steuerberater ;)) eine Übersicht (Tabellen, Programme) darüber hast, quasi wo dein ganzes Geld hingeht und wie detailliert das ganze bei dir aufgebaut ist.

    Freu mich auf deine Antwort
    Gruß

    Achso noch was: Man gibt ja seine Mail-Adresse an wenn man dinen Post kommentiert, wäre top wenn man dann auch eine Mail bekommt, wenn du auf meinen Kommentar antwortest.

    1. Hallo Patrick,
      der Umgang mit Geld ist definitiv komplex und es ist teilweise auch schwierig seine eigenen Erfahrungen wiederzugeben. Ich werde mich aber bemühen das Ganze zukünftig einfacher zu halten. Zu Deiner Frage welche Programme ich nutze. Für meine Geldanlagen nutze ich das kostenlose Tool Portfolio Performance (www.portfolio-performance.info). Das Tool ist echt klasse. Du kannst Dir Deine eigenen Depots anlegen und bekommst sehr gute grafische Übersichten zu Kosten, Performance und Dividenden geliefert. Da ich ein Fan von Excel bin, mach ich alles andere damit, z.B. eine Einnahmen-Ausgaben Gegenüberstellung. Es ist enorm wichtig zu wissen, wieviel Geld rein kommt und wofür Du Dein Geld ausgibst. Nur so, behältst du den Überblick und kannst gezielt steuern, planen und optimieren. Was das angeht bin ich sehr detailverliebt und weiß über jeden Euro Bescheid 😉
      Beste Grüße,
      Jörg

      1. Danke für deine Antwort.
        Damit meinte ich nicht, dass du alles ‚einfach‘ halten sollst, nur vielleicht ein großes komplexes Thema auf mehrere Post aufteilen…

        Mit Excel arbeite ich auch sehr gerne, man lernt gefühlt jeden Tag etwas neues 😀
        Mich würde noch weiter interessieren wie so deine Organisation bzw. deine Tabellen aussehen. Vielleicht gewährst du uns einen (geschwärzten/ verschwommenen) Einblick in deine Hilfsmittel

        Beste Grüße und schönen Feierabend 😉

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